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News 11.02.2016

Plädoyer für Unkrautmanagement und Unkrautökologie

Rostocker Professorin ist Präsidentin der Europäischen Unkrautforschungsgesellschaft
„Unkraut vergeht nicht“, heißt es im Volksmund. Für die einen ist es ein aufmunternder Spruch, für Landwirte und Gärtner hingegen lästige Realität. Professorin Bärbel Gerowitt von der Universität Rostock allerdings stören Unkräuter in ihrem Garten kaum. „Ich finde es interessant, wie sie sich durchmogeln und es schaffen, sich zu verbreiten“.
Die 57-jährige Wissenschaftlerin ist Unkrautforscherin. Und seit Anfang des Jahres auch Präsidentin der Europäischen Unkrautforschungsgesellschaft (EWRS). Das ist eine wissenschaftliche Gesellschaft, deren Mitglieder weltweit aus Forschung, Beratung, Wirtschaft und Gesellschaft kommen und die sich mit allen Aspekten von Unkräutern beschäftigen.

Bärbel Gerowitt will Unkräuter von zwei Seiten betrachtet wissen. Natürlich stehen sie in Konkurrenz zu Nutzpflanzen. „Letztendlich sind Unkräuter als Pflanzen aber auch so etwas wie eine Versicherung für zukünftige Ansprüche“, sagt die Forscherin und hat ein Beispiel: In Italien wurde eine Unkrautart lokal gesammelt und in der Küche genutzt. Durch den zunehmenden Einfluss der italienischen Küche kam die Pflanzenart auch zu uns und hat unter dem Namen „Rucola“ eine steile Karriere hingelegt und ist mittlerweile bei uns als Salat so beliebt wie in Italien. „Inzwischen ist die Pflanze züchterisch verbessert und in ganz Europa als Kulturpflanze verbreitet“, sagt Prof. Gerowitt.
Es gibt in Deutschland etwa 300 Arten von Unkräutern, darunter sind ungefähr 25 wirkliche Problemfälle, wie beispielsweise Ackerkratzdistel oder Windhalm. Auf der anderen Seite sind ca. 100 Arten davon selten und gefährdet, wie beispielsweise Bauernsenf oder Lämmersalat.

Die Unkrautforschung an der Uni Rostock untersucht aktuell unter anderem, wie Unkräuter umweltverträglich bekämpft werden können. Gegen Pflanzenschutzmittel leisten inzwischen einige Unkräuter erfolgreich Widerstand, man nennt sie resistent. Bauern drohen dann unnötige Kosten für Herbizide und trotzdem Ernteverluste. So wenig wie möglich Chemikalien bei der Unkrautbekämpfung einzusetzen, entlastet auch Böden und Grundwasser.

Die Vision der Rostocker Unkrautforscherin für ihre Präsidentschaft ist es, Unkrautmanagement und Unkrautökologie stärker miteinander vernetzen. Ihr Ziel sei es, Praktiker, Forscher und andere Beteiligte zusammen zu bringen und dabei die zwei Seiten der Unkräuter viel stärker in den Blick zu nehmen. „Wir wollen Unkräuter nicht ausrotten, nur in ihrer Menge, nicht in ihrer Artenzahl, reduzieren“. Man könne auf dem Acker aber auch nicht den Unkräutern das Feld überlassen, sondern muss sie schon kontrollieren. „Sonst hat der Landwirt am Ende viel zu wenig Ertrag“, spitzt die Professorin zu.

Die Europäische Unkrautforschungsgesellschaft hat Arbeitsgruppen in denen sich die Mitglieder zu Fragen der Biologie von Unkräutern, Herbizidresistenz, Unkrautmanagement im Integrierten Pflanzenschutz oder Invasiven Arten vernetzen, um einige Beispiele zu nennen. Als Präsidentin der EWRS will Bärbel Gerowitt auch einige Strukturen so verändern, dass sie tauglicher für moderne Kommunikations- und Informationsansprüche werden. Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Universität Rostock
Agrar-und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. Bärbel Gerowitt
Fon: +49 (0)381 498 3160
eMail: baerbel.gerowitt@uni-rostock.de

(Quelle: Pressemitteilung der Universität Rostock vom 11.02.2016)