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News 18.05.2017

Rohstoffwende Deutschland 2049: Agenda für die Umsetzung

In diesem Moment wird irgendwo in Lateinamerika mit Hilfe von Quecksilber Gold gewonnen – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt. Irgendwo in Afrika kämpfen Warlords mit Kindersoldaten um das Mineral Coltan, das in unseren Mobiltelefonen verbaut ist. In China werden Seltene Erden gefördert, bei deren Aufbereitung radioaktive Schlämme zurückbleiben – häufig ohne sicheres Abfallkonzept. Dies geschieht auch, um den Rohstoffhunger in Deutschland zu befriedigen.
Wie der “Rohstoffabdruck“ Deutschlands verringert werden kann, zeigt das Öko-Institut in seinem Projekt „Rohstoffwende Deutschland 2049“.

Jetzt liegt der Abschlussbericht vor, in dem das Expertenteam des Instituts eine Agenda für die Umsetzung der Rohstoffwende bis zum Jahr 2049 aufstellt. Das Ziel: negative ökologische und soziale Auswirkungen der primären Rohstoffnachfrage in Deutschland und weltweit minimieren.

Schritte zur Rohstoffwende
Das Projekt „Rohstoffwende 2049“ hat bereits Ende 2016 im 3. Policy Paper und auf der Jahrestagung 2016 des Öko-Instituts gezeigt, dass dafür sehr spezifische Ziele und Maßnahmen ergriffen werden müssen. Diese unterscheiden sich nach den Rohstoffgruppen und ihren Einsatzfeldern. Für erste Rohstoffe wie Kies, Neodym oder Stahl hat das Forschungsteam ambitionierte Maßnahmen und Instrumente entwickelt, mit denen der Rohstoffbedarf in den kommenden Jahrzehnten signifikant sinken kann. Dazu gehört unter anderem ein umfassender Gebäude-Check und eine Primärbaustoffsteuer, die den Bedarf nach heimischen Baurohstoffen reduzieren soll, ebenso wie Recyclingfortschritte und Nachhaltigkeitszertifikate, die eine verantwortungsvolle Förderung von Metallen im Ausland nachweisen und sicherstellen.

Das Öko-Institut fordert nun, solche spezifischen Ziele, Maßnahmen und Instrumente für alle relevanten Rohstoffgruppen zu formulieren. Bis zum Jahr 2020 sollen konkrete und nachprüfbare Meilensteine für die Rohstoffwende entstehen. Diese sollen alle vier Jahre kontrolliert und wenn nötig nachgeschärft werden. Ein regelmäßiges Monitoring legt dafür die Basis: Es überprüft die Entwicklung des Rohstoffbedarfs und weitere Indikatoren wie das Bevölkerungswachstum, Fortschritte bei der Energie- und Verkehrswende, Entwicklung des Recyclings und Technologieschritte. Zwei „große Inventuren“ in den Jahren 2025 und 2037 prüfen umfassend, wie sich die rohstoffspezifischen HotSpots sowie die Wirkung der definierten Ziele und ergriffenen Maßnahmen entwickeln.

Akteure der Agenda für die „Rohstoffwende 2049“
Gefragt für die Umsetzung dieser Agenda sind vor allem Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. Dabei sind verschiedene politische Ebenen verantwortlich für den Erfolg der Rohstoffwende: Kommunen und Bundesländer müssen eine rohstoffsparende Infrastruktur schaffen und erhalten; der Bund sollte übergreifende Impulse für mehr Rohstoffeffizienz setzen. Dabei können verschiedene politische Instrumente zum Einsatz kommen: von Steueranpassungen etwa der Grunderwerbssteuer zu einer Flächenverbrauchssteuer für das kompaktere Bauen bis hin zu Vorgaben für den Einsatz von Recyclingbaustoffen.

Aber auch die Europäische Union ist gefragt: Sie kann unter anderem mit internationalen Abkommen dafür sorgen, dass die negativen sozialen Auswirkungen der primären Rohstoffgewinnung sinken. Zudem kann sie mit europaweiten Maßnahmen dazu beitragen, Kreislaufwirtschaft und Recycling zu verbessern und Ressourcenaspekte im Produktdesign in der Ökodesign-Richtlinie zu stärken.

Nicht zuletzt sieht das Öko-Institut Unternehmen in der Pflicht, das Recycling etwa von Baurohstoffen wie Beton, Gips und auch von Metallen weiter zu verbessern. Sie sind zudem Motor für Innovationen bei Technologien und Prozessen, die künftig Rohstoffe effizienter einsetzen.
Das Öko-Institut selbst wird die Rohstoffwende 2049 aktiv begleiten und vorantreiben und neue Impulse und Vorschläge in die Debatte einbringen.

Abschlussbericht des Eigenprojekts „Deutschland 2049 – Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Rohstoffwirtschaft“ des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Abschlussbericht_D2049.pdf)

Weitere Informationen:
Pressemitteilung „Rohstoffwende Deutschland 2049: Ziele und Maßnahmen“ zum 3. Policy Paper des Öko-Instituts (Fokus: Qualitative und quantitative Ziele für die Rohstoffwende für 75 Rohstoffe) (https://www.oeko.de/presse/archiv-pressemeldungen/2016/rohstoffwende-deutschland...)

Pressemitteilung „Öko-Institut entwirft Fahrplan zur Rohstoffwende“ zum 2. Policy Paper des Öko-Instituts (Fokus: Rohstoffspezifische Ziele und Maßnahmen am Beispiel von Kies und Neodym) (https://www.oeko.de/presse/archiv-pressemeldungen/2016/oeko-institut-entwirft-fa...)

Pressemitteilung „Deutschland braucht die Rohstoffwende“ zum 1. Policy Paper des Öko-Instituts (Fokus: Soziale und ökologische Auswirkungen der Rohstoff-Förderung, -Aufbereitung und -Verarbeitung im In- und Ausland) (https://www.oeko.de/presse/archiv-pressemeldungen/2015/deutschland-braucht-die-r...)

Informationen und Programm der Jahrestagung des Öko-Institut 2016 „Rohstoffwende Deutschland 2049“ (https://www.oeko.de/forschung-beratung/themen/nachhaltige-ressourcenwirtschaft/r...)

Weitere Informationen zu Rohstoff- und Ressourcenprojekten des Öko-Instituts auf der Website www.ressourcenfieber.de.

Ansprechpartner und -partnerin am Öko-Institut:

Dr. Matthias Buchert
Leiter des Institutsbereichs
Ressourcen & Mobilität
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-147
E-Mail: m.buchert@oeko.de

Stefanie Degreif
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institutsbereich
Ressourcen & Mobilität
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-125
E-Mail: s.degreif@oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

(Quelle: Pressemitteilung des Öko-Instituts e. V. - Institut für angewandte Ökologie vom 18.05.2017)