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News 12.10.2017

Deutschlands Schutzgebiete sind nicht gewappnet für den Klimawandel

Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) legt erstmals Prinzipien zur Bewertung und Verbesserung der Klimawandel-Robustheit im Naturschutz vor.

Der Klimawandel stellt vielerlei neue Herausforderungen an die Gesellschaft, die in unterschiedliche Bereiche wie Gesundheit und Landnutzung durch Temperaturanstieg, veränderter Niederschläge, Zunahme von Extremereignissen und starker Wetterschwankungen hineinwirken. Auch Auswirkungen auf den Naturschutz sind durch Veränderungen wertvoller Ökosysteme immer mehrsichtbar. Ein Forschungsteam der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und der Universität Potsdam hat Kriterien zur Anpassung an den Klimawandel fürs Naturschutzmanagement entwickelt und ausgewählte Schutzgebiete in Deutschland dahingehend untersucht. Die Ergebnisse, die in der renommierten Fachzeitschrift PLoS ONE vor wenigen Tagen veröffentlicht wurden, sind äußerst bedenklich: Trotz langjähriger Diskussionen zum Klimawandel ist der Naturschutz noch immer nicht für ihn gewappnet. Vor allem die Gebiete mit europäischem Schutzstatus (Natura 2000) erfüllen die Anforderungen unzureichend.

Die Studie definiert klimawandelrobustes Naturschutzmanagement mithilfe von 11 Prinzipien und 44 Kriterien und folgt dabei einem Ansatz ähnlich der Nachhaltigkeitsstandards. „Die Grundlagen unseres Bewertungssystems sind allgemeingültige wissenschaftliche Kriterien, mit denen Schutzgebiete weltweit bewertet oder sogar zertifiziert werden können. Die Kriterien können auch als Richtlinie für die Erarbeitung von robusten Managementplänen dienen“, sagt die Erstautorin des Papers, Juliane Geyer von der HNEE. In ihrem Team untersuchte sie Managementpläne von 60 sorgfältig ausgesuchten Schutzgebieten in Deutschland und entdeckte enorme Defizite. Die meisten Gebiete erfüllen ein Viertel der Anforderungen an klimawandelrobustes Management nicht. Stefan Kreft, beteiligter Autor und Vorsitzender des Policy Committee der europäischen Sektion der Society for Conservation Biology meint: „Es fällt auf, dass vor allem Schutzgebiete des Netzwerks Natura 2000, eingerichtet nach Richtlinien der EU, am schwächsten gegen den Klimawandel gewappnet sind und die kleineren Gebiete schneiden dabei tendenziell schlechter ab.“

Die unzureichende Tiefe in der Umsetzung der Prinzipien für klimawandelrobustes Naturschutzmanagement deutet darauf hin, dass die notwendigen Kompetenzen in vielen Schutzgebietsverwaltungen noch immer nicht ausreichend vorhanden sind und unbedingt weiterentwickelt werden müssen. „Seit mehr als zehn Jahren versuchen wir nun die Thematik Klimawandel in die lokale und nationale Naturschutzagenda zu bringen“, beteuert Pierre Ibisch, Forschungsleiter an der HNEE.

Wissenschaftliche Belege zeigten deutlich, dass endlich gehandelt werden müsse, dennoch scheinen viele Akteur*innen, Entscheidungsträger*innen und Behörden diese schwierige Herausforderung noch immer zu ignorieren. „Die Ressourcen für die Anpassung von Management und Maßnahmen an den Umweltwandel reichen schlicht nicht aus, doch die Bedrohungen zeigen sich inzwischen konkret und greifbar. Zum Beispiel wissen wir von geschützten Feuchtgebieten, die komplett ausgetrocknet sind und bereits wertvolle Arten und ökologische Funktionen verloren haben“, fügt Pierre Ibisch hinzu.

Weitere Informationen:
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185972 Original-Paper “Assessing Climate Change-Robustness of Protected Area Management Plans - the Case of Germany”

(Quelle: Pressemitteilung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde vom 12.10.2017)