Nachrichten-Archiv

News 24.11.2017

Statement: Fällt der demografische Wandel aus?

Forscher des Forschungszentrums Demografischer Wandel der Frankfurt UAS nehmen Stellung zu den Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu Geburten und Sterbefällen im Jahr 2016


Zum fünften Mal in Folge ist die Zahl der Neugeborenen in Deutschland angestiegen. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts kamen im Jahr 2016 792.000 Kinder zur Welt – so viele Geburten gab es seit 1997 nicht mehr. Gleichzeitig hat sich in 2016 die Zahl der Sterbefälle um rund 14.000 auf 911.000 Menschen reduziert. Berücksichtigt man zudem, dass in den letzten Jahren deutlich mehr Menschen nach Deutschland zugewandert als aus Deutschland abgewandert sind, kann man sich die Frage stellen: Fällt der seit langer Zeit prognostizierte demografische Wandel denn nun aus? Die Wissenschaftler/-innen des Forschungszentrums Demografischer Wandel (FZDW) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) beantworten diese Frage unisono mit nein.

„Am zentralen Phänomen, das ursächlich für den demografischen Wandel ist, ändere sich hierdurch nichts“, so Prof. Dr. Andreas Klocke, Leiter des FZDW. „Die geburtenstarken Jahrgänge, also die Geburtsjahrgänge 1955 bis 1964, treten erst in den nächsten Jahren in das höhere Alter ein und tragen wesentlich zur Alterung der Bevölkerung bei. Auf der anderen Seite kann die steigende Zahl an Geburten in den letzten Jahren nicht (mehr) verhindern, dass jene Generationen, die den ,Babyboomern‘ folgen, quantitativ deutlich schwächer besetzt sind – mit den bekannten Folgen, die sich hieraus für die sozialen Sicherungssysteme und den Arbeitsmarkt ergeben.“

„Dennoch kann die positive Entwicklung der Geburtenzahlen und die hohe Nettozuwanderung der letzten Jahre die beiden zentralen Trends der demografischen Entwicklung, die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung, abschwächen“, betont Dr. Sven Stadtmüller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZDW. Und dass die steigende Zahl an Neugeborenen nur ein kurzfristiges Phänomen darstelle, bezweifeln Klocke und Stadtmüller ebenfalls. Die positive Entwicklung bei den Geburten hielte nun schon zu lange an, als dass man hier von einem Ausreißer sprechen könne. Zugleich sei es aber verfrüht, einen neuen Babyboom auszurufen. Hierfür müsse man abwarten, wie sich die Zahlen in den kommenden Jahren entwickeln. Auch die gestiegene Geburtenrate liegt mit einem Wert von 1,50 nach wie vor deutlich unter dem Wert von 2,1, der notwendig wäre, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten. Aktuell wachse die Bevölkerung in Deutschland ganz wesentlich auf Grund der Zuwanderung.

Zu den Personen:
Prof. Dr. Andreas Klocke ist seit 2001 Professor für Allgemeine Soziologie am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS. Seit dessen Gründung im Jahr 2007 leitet er das Forschungszentrum Demografischer Wandel.
Dr. Sven Stadtmüller ist seit dem Start als wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZDW tätig.

Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Forschungszentrum Demografischer Wandel (FZDW), Dr. Sven Stadtmüller, Telefon: +49 69 1533-3187, E-Mail: sven.stadtmueller@fzdw.de und Prof. Dr. Andreas Klocke, Telefon: +49 69 1533-2188, E-Mail: andreas.klocke@fzdw.de

Das Forschungszentrum Demografischer Wandel (FZDW):

Das Forschungszentrum Demografischer Wandel (FZDW) an der Frankfurt University of Applied Sciences untersucht mit einem interdisziplinären Zugang die Folgen und Herausforderungen des demografischen Wandels. Hintergrund ist die niedrige Geburtenrate und die gleichzeitige Steigerung der Lebenserwartung in Deutschland. Dies hat schon in naher Zukunft eine deutliche Alterung und später auch eine Schrumpfung der Bevölkerung zur Folge. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind vielfältig und zeigen sich zuvorderst auf der kommunalen Ebene. Das FZDW möchte anwendungsbezogen wissenschaftliche Beiträge zur Gestaltung und Bewältigung der Herausforderungen des demografischen Wandels in Hessen und in Deutschland aufzeigen.

Weitere Informationen zum FZDW unter: http://www.fzdw.de

(Quelle: Pressemitteilung der Frankfurt University of Applied Sciences vom 24.11.2017)