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News 16.01.2018

10 Jahre Nationale Biodiversitätsstrategie: NRW auf Platz 1 im Schutz der Wälder

Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Saarland haben das Ziel bereits erreicht – 10 % ihrer Waldfläche werden nicht mehr bewirtschaftet. Brandenburg, Bremen, Hessen und Sachsen liegen beim dauerhaften Schutz von Waldflächen deutlich zurück. Mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) wollen Bund und Länder die stark bedrohte Artenvielfalt in Deutschland erhalten. Die Erhebung der Naturwald Akademie zeigt, wie viel Wald-Flächen schon geschützt sind und wo Schwächen im Naturschutz deutlich werden.

Das Ranking ist das Ergebnisse einer Befragung der Naturwald Akademie aller zuständigen Landesministerien im Zeitraum Sommer-Herbst 2017. Dabei ist die Qualität der gelieferten Daten sehr unterschiedlich. Einige Länder legen aktuelle Daten vor. Andere verwenden lediglich Zahlen aus der Bundeswaldinventur von 2012 oder datieren diese als aktuell um. Hinzu kommt in den Ländern eine ohnehin unklare Datenlage, da es zwischen der zweiten und dritten Bundeswaldinventur Änderungen in den Erhebungsmethoden gab.

Trendwende bisher nicht erreicht
Nach zehn Jahren NBS zeigt die Erhebung der Naturwald Akademie, dass die vereinbarte Stilllegungsquote für den gesamten Deutschen Wald bis 2020 kaum erreicht werden kann. Das zuständige Bundesumweltminsterium BMUB schreibt dazu in einer Stellungnahme: „Insgesamt wird die gesetzliche Verpflichtung der Länder, ein Netz verbundener Biotope zu schaffen, das mindestens 10 Prozent der Fläche eines jeden Landes einnimmt, noch zu langsam umgesetzt [] so, dass die notwendige Trendwende beim Verlust der biologischen Vielfalt in Deutschland bislang nicht erreicht wurde. [] Es bedarf daher erheblicher zusätzlicher Anstrengungen von Bund, Ländern und auf kommunaler Ebene in möglichst allen betroffenen Politikfeldern.“
Umweltverbände fordern mehr Engagement

In ihrem Zwischenbericht zu 10 Jahren NBS ziehen die Umweltverbände BUND, NHR, DUH, NABU und WWF eine gemeinsame Bilanz. Sie zeigen Defizite der NBS auf und fordern in einem „10-Punkte-Plan für die Biologische Vielfalt“ Maßnahmen zur Behebung unter anderem verwaltungstechnischer und finanzieller Engpässe. Allein für das entsprechende Bundesprogramm Biologische Vielfalt würden mindestens 50 Millionen Euro benötig – 0,015 Prozent des Bundeshaushalts 2017. Unter anderem für Ausgleichszahlungen für besonders artenreiche Waldflächen.

Herausforderung Biodiversität im Wald
Wesentliche Probleme an der Umsetzung der Ziele ist die Rechtsform der NBS. Sie ist kein rechtsverbindliches Gesetz, sondern eine Absichtserklärung, die nach Belieben von den Ländern umgesetzt werden kann. Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz greift dies auch auf: „Niedersachsen beklagt, dass der Bund die Länder zu wenig bei der NBS unterstützt und sie nicht etwa durch Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz oder Bundeswaldgesetz verbindlich macht.“

Gleichzeitig sagt ein flächenmäßiger Vergleich wenig über den ökologischen Wert aus. Die Länder konzentrieren in der Regel ihre Maßnahmen auf den Schutz von Waldfläche, teilweise jedoch unabhängig davon, wie wichtig diese Flächen für den Erhalt der Biodiversität in der Region sind.

Hintergrund:
2007 verabschiedete die Bundesregierung mit der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS) einen Plan für Bund und Länder zum Erhalt der Artenvielfalt. Bis 2020 sollten danach unter anderem 5 Prozent von Deutschlands Wäldern dauerhaft und rechtsverbindlich ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Da ein solcher Naturschutz in deutsche Privatwälder als nicht umsetzbar galt, sollte die benötigte Fläche dadurch erreicht werden, dass Bund und Länder 10 Prozent ihrer Waldflächen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung nehmen.

Weitere Informationen:
https://naturwald-akademie.org/nbs-schutz-der-waelder

(Quelle: Pressemitteilung der Naturwald Akademie gGmbH vom 16.01.2018)