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News 30.05.2006

Sigmar Gabriel: Naturschutz ist nicht nur Privatsache
Vor 100 Jahren machte der Staat den Schutz von Natur und Landschaft erstmals zu seiner Aufgabe – Festakt in Bonn


Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat heute die Verantwortung des Staates für Natur und Landschaft betont. „Natur und Landschaft sind öffentliche Güter mit internationaler Bedeutung. Denn der Staat kann und soll Langzeitverantwortung tragen“, sagte Gabriel in Bonn bei einer Festveranstaltung zum hundertjährigen Bestehen des Naturschutzes als Staatsaufgabe. An dem Festakt nahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die früheren Umweltminister Jürgen Trittin und Klaus Töpfer teil.

Mit der Gründung der „Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen" vor genau 100 Jahren machte der Staat den Schutz von Natur und Landschaft zu seiner Aufgabe. Nachfolgebehörde der Danziger Stelle ist das heutige Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn. Während noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts der Schutz von einzelnen Naturdenkmalen im Vordergrund stand, trat später der Flächenschutz in den Vordergrund. Heute zählt es zu den wichtigsten Aufgaben des staatlichen Naturschutzes, den rapiden Rückgang der Tier- und Pflanzenarten und aufzuhalten. Leitlinie dafür ist die internationale Konvention über die biologische Vielfalt (CBD), die 1992 auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro beschlossen und mittlerweile von über 170 Staaten unterzeichnet wurde.

Die Vorlage einer nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt bezeichnete Gabriel deshalb als einen Schwerpunkt seiner Naturschutzpolitik. „Für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt brauchen wir eine langfristige Orientierung, um den Schutz der Natur zu verbessern und mit einer naturverträglichen Nutzung zu kombinieren“, betonte der Bundesumweltminister. Gabriel verwies auf die erklärte Absicht der Koalition, zur Sicherung des Nationalen Naturerbes bis zu 125.000 Hektar Naturschutzflächen aus Bundesbesitz unentgeltlich in eine Bundesstiftung einzubringen oder an die Länder zu übertragen. „Dies war das erste Projekt, auf das sich die Koalitionsparteien gleich zu Beginn schnell verständigt haben und wir sind dabei das umzusetzen. Das ist ein einzigartiger und großartiger Erfolg für den Naturschutz in Deutschland.“

Der Bundesumweltminister erinnerte daran, dass Deutschland die nächste Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt im Jahre 2008 ausrichten wird. „Als Gastgeber des weltweiten Naturschutzes wollen wir effektive Maßnahmen durchsetzen, um den Rückgang der biologischen Vielfalt zu stoppen“, sagte Gabriel und kündigte zugleich neue Akzente und Initiativen an, um die Entwicklungsländer bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt zu unterstützen. Dies ersetzt aber keinesfalls Maßnahmen im eigenen Land. „Wir dürfen nicht von anderen fordern, auf die Nutzung von Naturressourcen zu verzichten – während wir selbst hierzulande oder über globale Konsumketten Raubbau betreiben. Wir sind zuerst selbst gefordert, einen fairen und nachhaltigen Lebensstil zu entwickeln“, betonte Gabriel.

So gehört zu den wichtigen Vorhaben a des Naturschutzes auch die Vollendung des deutschen Teils des EU-Schutzgebietsnetzes Natura 2000 mit einem Anteil von nunmehr rund 13 Prozent der Landesfläche und rund 40 Prozent der Meeresfläche Deutschlands. Entscheidend wird aber nicht die Festlegung der Gebiete sein, sondern ob es gelingt, vor Ort gemeinsam zwischen Naturschützern und Nutzern ein vorausschauendes Management der Gebiete mit einem vernünftigen Interessensausgleich zu erarbeiten „Das Netz Natura 2000 ist das Sicherheitsnetz des europäischen Naturerbes“, sagte Gabriel. Mit dem Europäischen Naturschutzrecht wurde der Naturschutz erstmals in seiner Geschichte mit Instrumenten ausgestattet, die ihn in eine nicht von vornherein unterlegene Position im gesellschaftlichen Interessensausgleich bringen. „Zusammen mit den anderen Schutzgebieten ist das immer noch ein nur sehr kleiner Teil der Landesfläche. Dies muss jedoch unser Mindestbeitrag sein, um den Verlust an Artenvielfalt global bis 2010 zu stoppen“, betonte der Bundesumweltminister.

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(Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 30.05.2006)