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News 27.11.2006

Kein Schrumpfkurs bei Agrarwissenschaften

Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Entwicklung der Agrarwissenschaften in Deutschland erklärt Cornelia Behm, agrarpolitische Sprecherin:

Neben Minister Seehofer setzt auch der Wissenschaftsrat bei der Agrarforschung auf Schrumpfung. So muss man wohl seine Empfehlungen zur Entwicklung der Agrarwissenschaften in Deutschland zusammenfassen, wenn er darin die Schließung von drei der zehn Agrarfakultäten an deutschen Universitäten fordert. Bereits im Jahr 2004 hat der Wissenschaftsrat mit seinen Empfehlungen zur Entwicklung der Ressortforschungseinrichtungen im Bereich Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft auf Abbau gesetzt und damit die Vorlage für die vom Agrarministerium jetzt geplanten Standort- und Institutsschließungen bei Ressortforschungseinrichtungen geliefert. Damit verdient sich dieser Rat durch ein falsches Verständnis von Evaluation allmählich den Ruf eines Wissenschaftsabbaurates.

Sicherlich ist es nachvollziehbar zu fordern, Agrarforschung solle weniger in Ressortforschungseinrichtungen und stattdessen mehr an den Universitäten und in nicht-staatlichen Forschungseinrichtungen stattfinden, weil man sich davon mehr Forschungsqualität erwartet. Wer vor diesem Hintergrund aber das neue Gutachten zur Kenntnis nimmt, der muss sich doch arg getäuscht sehen. Hier wird deutlich, dass es weder dem Wissenschaftsrat noch den Agrarministerien in Bund und Ländern um Verlagerung von Agrarforschungskapazitäten, sondern um ihren Abbau geht. Wie man so eine Abwärtsspirale in Gang setzt, zeigt die Agrarfakultät an der HU: Dem Schrumpfkurs durch den Berliner Senat folgt der Schließungsvorschlag durch den Wissenschaftsrat.

Dies ist eine grundfalsche Richtung. Allgemein bricht sich die Erkenntnis Bahn, dass der Standort Deutschland nur als Wissensstandort eine Zukunft hat. Dazu muss auch eine leistungsfähige Forschung gehören – und zwar auch im Bereich der Agrarwissenschaften. Der Forschungsbedarf ist auch hier immens. Angesichts des Klimawandels steht die Landnutzung vor großen Herausforderungen. Insbesondere wegen der Verknappung fossiler Rohstoffe, des Anstiegs der Energiepreise und des damit verbunden Preisanstiegs bei Betriebsmitteln stellt sich die Frage, wie das hohe Ertragsniveau dennoch gehalten werden kann.

Vor diesem Hintergrund ist ein zukunftsfähiger Umbau der Agrarforschung durchaus angebracht – allerdings nicht der dramatische Abbau, der derzeit vorbereitet wird. Ein wissenschaftlicher Mehrwert lässt sich beim Ministeriums-Konzept für eine angeblich zukunftsfähige Ressortforschung nicht erkennen. Hier sollen Standorte und Institute ohne jede fachliche Begründung geschlossen werden. Infolge des radikalen Umbaus, der kaum einen Stein auf dem anderen lässt, wird in vielen Einrichtungen in den nächsten Jahren wenig geforscht, aber dafür umso mehr geplant, organisiert und protestiert werden. Dadurch werden viel Kraft und Arbeitszeit für die Forschung verloren gehen. Das negative Urteil der nächsten Evaluation der Ressortforschung durch den Wissenschaftsrat ist damit de facto vorgezeichnet. Das wiederum wird dann – soviel lässt sich heute bereits vorhersagen – der nächste amtierende Unions-Agrarminister zum Anlass nehmen, die Axt erneut an die Agarressortforschung zu legen.

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(Quelle: Pressemitteilung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen vom 27.11.2006)